“Osama im Laden” – die syrische Beobachtungstelle für Menschenrechte

Eine besondere Rolle in der einseitigen Berichterstattung über Syrien spielt die berühmte “Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte” in England. Sie sitzt nicht wie häufig berichtet wird in London, sondern in Coventry, rund 150km nördlich der britischen Hauptstadt.

Sie ist die am häufigsten zitierte Quelle von Berichten über Opferzahlen und Massaker in Syrien. Schon der Name flößt Ehrfurcht ein “Beobachtungsstelle” oder “observatory”, wie die amerikanischen Medien schreiben. Das klingt wie ein wissenschaftliches Gremium voller um die Wahrheit ringender Experten.

In Wirklichkeit besteht dieses so bedeutungsvoll auftretende “Observatorium” aus einer Person mit dem Kunstnamen “Rami Abdul Rahman” und dem Echtnamen “Osama Ali Suleiman”. Assistiert wird er mal von einer, mal von zwei Teilzeithilfen. “Direktor” Osama betreibt seine winzige Informationsküche nur wenige Meter entfernt vom Bekleidungsladen seiner Ehefrau, wo er gelegentlich auch mal aushilft. Spötter nenne ihn deshalb “Osama im Laden”.

Kreative Informationsgestaltung

Keiner übertreibt und fälscht so wirkungsvoll wie Osama Ali Suleiman. Vor allem vor großen internationalen Konferenzen zu Syrien. Selbst exilsyrische Menschenrechtsorganisationen, die wie er gegen das Assad-Regime opponieren, haben sich öffentlich von dieser “Beobachtungsstelle” distanziert. Sie sagen, Osama Ali Suleiman verbreite erfundene Zahlen und “unwahre” Geschichten. Doch seine Kritiker haben keinen Erfolg.

Osama ist und bleibt der Star der Desinformation. er ist der “syrische Curveball”. Curveball war jener exilsyrische Agent des Bundesnachrichtendienstes (Deutschland), der vor dem Irakkrieg behauptete, er könne beweisen, dass Sadam Hussein biologische Waffen besitze. Und der Mitschuld war am Irakkrieg.

Osama Ali Suleiman wirft nicht nur oft Zivilisten, Rebellen und Sicherheitskräfte in einem Topf. er und seine Zuträger multiplizieren die ohnehin schon schrecklichen Opferzahlen gelegentlich und das Fünf- und Sechsfache. Seine Informationen bezieht er telefonisch oder online von Rebellen oder Personen, die diesen nahestehen. Die Mörder sind bei Osama Ali Suleiman daher in der Regel die staatlichen Sicherheitskräfte. Doch solche Kriege gibt es nicht. Fast immer wird auf beiden Seiten gemordet. genau das ist ja die Tragik des Krieges auch in Syrien.

Die Babylüge: Teil 2

Osama Ali Suleiman kann auf spektakuläre Falschmeldungen zurückblicken. CNN spielte er am 7. August 2011 eine Meldung zu, die er selbst aus obskuren Quellen erhalten hatte. Sie besagte, die syrischen Sicherheitskräfte hätten in Hama den Strom der Brutkästen abgestellt. Acht Babies hätten diese Barbarei mit dem leben bezahlt. Gleichzeitig erschien auf zahlreichen anderen Internetseiten ein Foto der beklagenswerten Babys. Ein Aufschrei ging durch die Welt. Fast wie vor dem ersten Irakkrieg, als Kriegsbefürworter eine frei erfundene Brutkasten-Horrorgeschichte über irakische Soldaten in Kuweit verbreiteten.

Auch Osamas Meldung war falsch. Das zum Beweis auf anderen Internetforen veröffentlichte Foto der Babys stammte aus Alexandria, Ägypten. Die angeblich ermordeten Kleinen waren nicht tot, sondern quietschlebendig. Nur ihre Krabbelstuben waren zu eng.

Diesem syrischen exil-Pinocchio, liegen die UNO, die EU, die meisten westliche Medienwelt zu Füßen. weil er ihre Arbeit erleichtert und täglich das meldet, was sie gerne hören wollen.

Seine geringe Glaubwürdigkeit hat sich in Medienkreisen allerdings inzwischen herumgesprochen, sie sichern sich daher mit der aus der “Medikamentenwerbung erinnernden Begleitsatz, “die Richtigkeit dieser Angaben lässt sich üblicherweise nicht überprüfen” oder so ähnlich. und sie weisen inzwischen darauf hin, dass er “der Opposition nahestehe” oder Ihr “angehört”.

Mitverantwortung für die Eskalation

Doch das schränkt Osamas historische Bedeutung nicht mehr ein, er hat  vor allem im Anfangsjahr des syrischen Konfliktes mit seinen einseitigen Meldungen die Weltmeinung entscheidend mitgeprägt. Er trägt Mitverantwortung für die Eskalation dieses Konfliktes zu einer schrecklichen Tragödie. Neuerdings mischt er unter seine täglichen Nachrichten über Greueltaten des Regimes auch berichte über die nicht mehr zu übersehenden Verbrechen der “Rebellen”. das ist gut für sein Image als “objektiver Beobachter”, aber es ändert nichts mehr an dem Zerrbild, das die westliche Öffentlichkeit mittlerweile von der syrischen Tragödie hat.

TV-Stationen inszenieren die Revolution

In ihrer medialen Wirkung noch bedeutsamer waren die arabischen Fernsehsender Al-Jazeera und Al-Arabia. Kampagnenartig, reißerisch, spekakulär betrieben sie nach dern Revolutionen in Tunesien, Ägypten und Libyen den “demokratischen Umsturz” in Syrien. Inzwischen haben sie ihre Glaubwürdigkeit verloren, zu viele Berichte erwiesen sich nachträglich als falsch- Zu viele seriöse Journalisten haben die sender unter Protest verlassen. beide TV-Stationen stammen aus autoritären, antidemokratischen Staaten, aus Katar und Saudi-Arabien. schon das müsste jeden nachdenklich stimmen. Saudi-Arabien und Katar gehören darüber hinaus zu den engsten militärischen Verbündeten der USA im mittleren Osten. In Katar befindet sich das Zentralkommando der amerikanischen Streitkräfte für den mittleren Osten, Ostafrika und Vorderasien.

Könnte es sein, das den Eigentümern dieser Sender um etwas ganz anderes geht als um die Einführung der Demokratie in Syrien? Um geostrategische Frage, um die Vormachtstellung im mittleren Osten? Um den Bau einer Pipeline nach Europa über syrisches Gebiet?

“Audiatur et altera pars” – Höre immer beide Seiten an!

Ein zentrales Problem der westlichen Syrien-Berichterstattung besteht darin, dass meist nur die Aufständischen und ihnen nahestehende Personen befragt und zitiert werden. Das muss zu einer Verzerrung der Wahrheit führen. Eine Untersuchung die wir selbst durchführten mit diversen Zeitungsmeldungen von 2014 bis heute zeigte, dass 86% aller Medienberichte aus  Syrien,  Meldungen der Opposition darstellten. Im Jahr 2011 bis 2013 war dieser Wert noch bei 71%. Das zeigt, wie sehr die einseitige Berichterstattung die Meinung  zu verzerren versucht.

Welches Bild über unsere Politiker würden wir haben, wenn unsere ORF, ARD und Co.  NUR Berichte der Opposition bringen würden?

Wer nur eine Seite zitiert, der verschweigt die halbe Wahrheit! “Audiatur et altera pars” gehörte schon im römischen Rechtssystem zu den wesentlichen Grundsätzen: “Höre dir immer auch die andere Seite an!”

 

 

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